HSFK Bild
Mitglied in der Leibniz Gemeinschaft
Programmbereiche
Religiöse NGOs in den Vereinten Nationen: Vermittler oder Polarisierer?

Die De-Privatisierung von Religion ist nicht allein auf den innerstaatlichen Raum beschränkt, sondern zeigt sich zunehmend auch in der transnationalen Zivilgesellschaft. Ein Indikator dieser neuen Sichtbarkeit von Religion ist das vermehrte Engagement von religiösen Nichtregierungsorganisationen (RNGOs) in internationalen Organisationen, wo sie sich in die verschiedensten Politikfelder einbringen.

 

Im Projekt wird das Verhalten solcher religiösen Gruppen im System der Vereinten Nationen untersucht. Die bisherige Forschung zu diesen Akteuren stützt sich entweder auf Einzelfallstudien oder auf quantitative Untersuchungen. Aus ihnen wird deutlich, dass das Engagement von RNGOs in global governance­-Institutionen häufig von religiös begründeten Gerechtigkeitsansprüchen motiviert ist. Deren Wirkung ist ambivalent: Religiöse Akteure können sowohl zur Vermittlung als auch zur Polarisierung in umstrittenen Themenfeldern beitragen.

 

Um den Ursachen für diese Varianz systematisch nachzugehen, ist das Projekt als vergleichende qualitative Studie angelegt. Untersucht wird das Verhalten von RNGOs über die Zeit in Politikfeldern, die in den Vereinten Nationen kontrovers diskutiert werden – beispielsweise der israelisch-palästinensische Konflikt und die Debatte um Frauenrechte und Abtreibung. Aus dem Stand der Forschung lässt sich die Arbeitshypothese ableiten, dass sich RNGOs im Zuge ihres Engagements in den Vereinten Nationen an das normative und institutionelle Umfeld anpassen und so ihre partikularistische Orientierung und polarisierende Wirkung verlieren. Wir vermuten jedoch, dass diese Hypothese nicht alle Verhaltenstypen erklären kann.In einem zweiten, induktiven Schritt werden daher neben den institutionellen Rahmenbedingungen vor allem die politischen Theologien und unterschiedlichen Gerechtigkeitsvorstellungen der religiösen Akteure analysiert, die als kollektive Handlungsrahmen das Engagement anleiten.

 

Das Projekt zielt darauf ab, die empirische und theoretische Forschung zu religiösen Akteuren in internationalen Organisationen voranzutreiben und sowohl die damit verbundenen Gefährdungen als auch Potenziale und Ressourcen der religiösen Beteiligung an Just Peace Governance aufzuzeigen.

Aktuelle Publikationen

Mitglieder
Projektleitung:
Claudia Baumgart-Ochse