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Im Zuge der Globalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft hat die Bedeutung nichtstaatlicher Akteure für Erfolg und Misserfolg des Regierens jenseits des Staates zugenommen. Während von Transformation oder gar Versagen des Staates die Rede ist, treten beispielsweise Nichtregierungsorganisationen als mächtige Advokaten normativer Ordnungsvorstellungen auf und transnationale Unternehmen wirken im Rahmen von globalen Politiknetzwerken und Öffentlich-Privaten Partnerschaften direkt am globalen Regieren mit.
Der 2009 neu konstituierte Programmbereich III nimmt diese neuen und sich wandelnden Rollen privater Akteure im Kontext von Just Peace Governance in den Blick. Er erforscht die transnationale Dimension des Spannungsverhältnisses zwischen Gerechtigkeit und Frieden anhand der Leitfrage: Unter welchen Bedingungen kann die Mitwirkung bzw. Nicht-Berücksichtigung privater Akteure zum Gelingen/Misslingen von Just Peace Governance beitragen?
Obwohl sie häufig als „Gerechtigkeitsunternehmer“ auftreten, ist die Rolle privater Akteure im Kontext von Just Peace Governance höchst ambivalent: Einerseits erweitern und stärken sie das normative Gefüge transnationaler Beziehungen und tragen zur Bewältigung grenzüberschreitender Probleme bei, andererseits sind sie selbst auf Grund ihrer divergierenden Gerechtigkeitsvorstellungen und Interessen eine Quelle für politische und normative Konflikte. Im Fokus des Programmbereichs stehen drei unterschiedliche Gruppen nicht-staatlicher Akteure, nicht-staatliche Gewaltakteure, transnationale Unternehmen und zivilgesellschaftliche Akteure.
Nichtstaatliche Gewaltakteure, zum Beispiel in Form organisierter Kriminalität, können einerseits das staatliche Gewaltmonopol unmittelbar und damit die Fähigkeit des Staates, gerechtigkeitsfördernd zu wirken, herausfordern. Andere Gewaltakteure, wie beispielsweise Rebellengruppen, können jedoch auch auf die Etablierung alternativer Gerechtigkeitsnormen und Ordnungsmodelle zielen und damit Staatsversagen kompensieren. Transnationale Unternehmen wiederum entziehen sich einerseits häufig der staatlichen Kontrolle und tragen damit zur Verschärfung bestimmter Gerechtigkeitskonflikte bei oder machen staatliche Versuche, diese zu lösen, unwirksam. Auf der anderen Seite können sie aber auch selbst direkt an der Verwirklichung von Gerechtigkeitsansprüchen mitwirken, indem sie Staatsfunktionen wie die Bereitstellung öffentlicher Güter übernehmen. Zivilgesellschaftliche Akteure, wie NGOs und soziale Bewegungen, treten regelmäßig als Gerechtigkeitsunternehmer auf, die neue normative Ansprüche formulieren, vertreten und ihre Verwirklichung fordern. Insbesondere im Spannungsfeld zwischen globalen und lokalen Gerechtigkeitsvorstellungen können diese jedoch ebenfalls konflikthaft sein und konfliktverschärfend wirken.
In diesem Programmbereich werden unterschiedliche Gruppen nichtstaatlicher Akteure sowohl als Verursacher von Gerechtigkeitskonflikten untersucht, indem sie Gerechtigkeitsvorstellungen verletzen, als Adressaten von Gerechtigkeitsansprüchen, als auch als Gerechtigkeitsunternehmer, die mit eigenen, teilweise konkurrierenden Lösungsangeboten für Umverteilungs-, Anerkennungs- und Repräsentationskonflikte vertreten. Der Programmbereich untersucht diese unterschiedlichen Potentiale und Wirkungen privater Akteure im Kontext von Just Peace Governance systematisch aus deskriptiver, kausal-analytischer und normativer Perspektive.
Aktuelle ProjekteDissertationsprojekte
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Mitglieder
Programmbereichs - leitung:
Klaus Dieter WolfMitarbeiter/innen:
Claudia Baumgart-OchseMelanie Coni-Zimmer Annegret Flohr Svenja Gertheiss Stefanie Herr Andreas Jacobs Anja P. Jakobi Konstanze Jüngling Sekretariat:
Viola Niemack |
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