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Gewaltarmut in Nicaragua - Mythos oder Realität?


Die relative Gewaltarmut in Nicaragua und deren Ursachen untersucht Heidrun Zinecker im HSFK-Report Nr. 5/2012.



Nicaragua ist geografisch und sozio-ökonomisch eingebettet in Staaten mit hoher Gewaltanfälligkeit. Die schlechten wirtschaftlichen Daten des Landes lassen beim Gewaltniveau ähnliche hohe Raten erwarten wie bei den Ländern des nördlichen zentralamerikanischen Dreiecks, El Salvador, Honduras und Guatemala. Armut und soziale Ungleichheit sind hoch und das Brutto-Inlandsprodukt in ähnlichem Maße niedrig. Trotzdem orientiert sich die Gewaltrate Nicaraguas eher am gewaltarmen südlichen Nachbarn Costa Rica als an den drei gewaltanfälligen Staaten im Norden. Dieser empirische Befund macht Nicaragua zu einem Schlüsselfall für den zentralamerikanischen Gewaltvergleich.


Im HSFK-Report 5/2012 „Gewaltarmut in Nicaragua – Mythos oder Realität? Empirische Befunde, Kausalitäten und Lehren“ untersucht Heidrun Zinecker die Gründe für dieses Phänomen. Zunächst arbeitet sie die qualitativen und empirischen Befunde zu Gewalt in Zentralamerika seit den 1990er Jahren auf, in einem zweiten Schritt untersucht sie kausalanalytisch die Faktoren, die das niedrige Gewaltlevel erklären. Erstens sind es – kontraintuitiv – die niedrigen Remittances als fehlende Möglichkeitenstruktur, die Gewalt eindämmen. Durch im Ausland arbeitende Staatsangehörige fließt zwar wenig Geld nach Nicaragua, dafür ist aber auch die relative Deprivation gering und wird in besonderer Weise sozial abgefedert. Der zweite erklärende Faktor ist die effektive Polizeiarbeit als Verhinderungsstruktur. Diese fußt auf einer umfassenden Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft, die so als „Koproduzentin“ von Sicherheit agiert. Aus diesen Erkenntnissen könnten, trotz der Unterschiedlichkeit zu Fällen wie El Salvador oder Guatemala, Lehren für diese gewaltreichen Staaten der Region gezogen werden, so Zinecker.


Heidrun Zinecker ist Professorin für Internationale Beziehungen am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Leipzig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Gewalt in Zentralamerika und Kolumbien, Friedens- und Transformationsprozesse in Lateinamerika, das Lernen politischer Akteure sowie der Zusammenhang von Entwicklungs- und Friedenstheorien.

 

Der HSFK-Report ist für 6€ an der HSFK erhältlich oder steht als Download zur Verfügung.








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