Das Projekt bearbeitet das Forschungsfeld Externe Demokratieförderung durch internationale Organisationen in zwei Forschungsschritten. Erstens geht es dem Vorwurf der Unflexibilität und mangelnden Kontextsensibilität bei der Unterstützung von Demokratisierungsprozessen von außen nach. Zweitens werden „best practices“ der externen Demokratieförderung ausfindig gemacht, um einen Beitrag zum Lernen von internationalen Organisationen in diesem Bereich zu leisten.
Zu diesem Zweck werden zunächst die übergeordneten Demokratiekonzepte sowie die allgemeinen Strategien und Instrumente der Demokratieförderung der Europäischen Union (EU), dreier Regionalorganisationen (Afrikanische Union, Organisation Amerikanischer Staaten, Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) und der Vereinten Nationen (VN) miteinander verglichen und die konkreten Instrumente und Maßnahmen innerhalb Georgiens/Südkaukasus, Haitis/Karibik und Malis/Westafrika hinsichtlich ihrer Angemessenheit, d.h. ihres gezielten Zuschnitts auf die spezifischen Kontextbedingungen und ihre Durchführungsqualität bewertet. Dem liegt die forschungsleitende Frage zugrunde, ob die Demokratieförderungspolitik internationaler Organisationen die Problemlagen im Demokratisierungs- und Konsolidierungsprozess in den jeweiligen Länderkontexten bewusst und systematisch adressiert und somit angemessen ist; oder ob – entsprechend der „one size fits all“-Annahme – ihre Konzepte, Programme und Instrumente in verschiedenen Kontexten gleichförmig zum Einsatz kommen. Die Operationalisierung der Angemessenheit erfolgt durch die Bildung handlungsspezifischer Indikatoren, wie Problemidentifikation, Partnerwahl, Projekt- und Programmevaluierungen sowie die Anwendung bestimmter Instrumente der untersuchten Organisationen in verschiedenen Kontexten. Voraussetzung für die Anwendung dieser Indikatoren ist die Analyse des Demokratisierungsprozesses, d.h. Demokratisierungsstand, zentrale politische und gesellschaftliche Ereignisse sowie zentrale Akteure.
In einer sowohl interorganisatorischen, synchronen als auch einer intraorganisatorischen, diachronen vergleichenden Perspektive werden die Fragen beantwortet, ob die internationalen Organisationen die beschlossenen Maßnahmen auch tatsächlich zum Einsatz bringen, ob sie die erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen, ob die vorab formulierten Zielsetzungen erreicht werden, ob sie ihre Strategien gezielt auf die Umstände zuschneiden und ob diese Ansätze im Falle veränderter Bedingungen angepasst werden.
In einem weiteren Forschungsschritt wird aus der Perspektive des interorganisatorischen, synchronen Vergleichs ermittelt, welche der untersuchten Organisationen die in diesem Sinne angemessensten Demokratieförderungspolitiken durchführen. Das Zusammenbringen der im ersten Forschungsschritt gewonnenen Zwischenergebnisse soll die Frage beantworten, ob die zugrundeliegenden Demokratiekonzepte, Strategien, Instrumente und Maßnahmen der Regionalorganisationen (AU, OAS und OSZE) mit Blick auf die jeweiligen Kontextbedingungen in den Zielländern angemessener sind als die Ansätze der EU (gegenüber den Drittstaaten Haiti, Mali und Georgien) und der VN. Während die Annahme der größeren Kontextsensibilität von Regionalorganisationen bereits im ersten Forschungsschritt getestet wird, wird in einem interregionalen Vergleich überprüft, ob die in allen drei Regionen aktive EU und VN - entsprechend dem häufig gemachten Vorwurf - tatsächlich dieselben Politiken ungeachtet der Unterschiede in den Zielgesellschaften zum Einsatz bringt. Schließlich sollen aus dem diachronen und synchronen Vergleich zwischen verschiedenen Organisationen in einem Länderkontext, Erkenntnisse im Sinne von „best practices“ gewonnen werden, ob und wie in internationalen Organisationen Lernprozesse zur Verbesserung ihrer Demokratieförderungspolitik angestoßen werden können.
Dieses Projekt wird von Pamela Jawad, GTZ, und Julia Leininger, DIE, im Rahmen ihrer Dissertationen durchgeführt.
- Diversity, Conflict, and State Failure Chances and Challenges for Democratic Consolidation in Georgia after the "Rose Revolution", 2006
- Europas neue Nachbarschaft an der Schwelle zum Krieg Zur Rolle der EU in Georgien, HSFK-Reports, Nr. 7, 2006
- Democracy and UN Peacekeeping – Conflict Resolution through State-building and Democracy Promotion in Haiti, 2006
- Europe’s New Neighborhood on the Verge of War What role for the EU in Georgia?, PRIF Reports, No. 74, 2006
- Democratic Consolidation in Georgia after the "Rose Revolution"?, PRIF Reports, No. 73, 2005
- Business as (un)usual – der Cardoso-Bericht im aktuellen VN-Reformprozess, 2005
- Die Reform der Vereinten Nationen – Chancen auf eine Erneuerung zivilgesellschaftlicher Beteiligung? Eine Bestandsaufnahme bestehender Beteiligungsmöglichkeiten für NGOs in
den Vereinten Nationen und Perspektiven für die Zukunft, 2005
- Demokratieförderung, 2005
- State-building, 2005