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Seit der Jahrtausendwende wurden indigene und soziale Bewegungen in Lateinamerika zu ernsten Herausforderern des Modells der liberalen Demokratie, das in den 1990er Jahren noch als weitestgehend unumstritten galt. Mit der Wahl von Evo Morales (2005) und Rafael Correa (2006) hat sich diese Herausforderung in Bolivien und Ecuador in weitreichende Verfassungsänderungen übersetzt. Die laufende Transformation der Demokratie in diesen beiden Ländern ist u.a. gekennzeichnet von einem direkten Zusammenprall divergierender Konzepte politischer Ordnung. Das Mainstream-Modell liberal-demokratischen, „guten“ Regierens gerät dabei in Konkurrenz zu alternativen (teilweise indigenen) Ideen, die sich auf Formen direkter, partizipativer oder kommunitärer Demokratie, auf eine „plurinationale“ Konzeption des Staates sowie auf Rechte lokaler (kollektiver, indigener) Autonomie beziehen. Die tief greifende Restrukturierung der politischen Ordnung verbleibt zwar (bisher) innerhalb eines demokratischen Rahmens, sie beinhaltet aber politische Aushandlungsprozesse, in denen fundamentale Normen des sozialen und politischen Zusammenlebens zur Disposition gestellt werden. Diese Aushandlungsprozesse sind damit erstens konfliktträchtig und werden zweitens von Forderungen, die berechtigte Ansprüche einklagen (sprich: Gerechtigkeitsforderungen), bestimmt.
Das Projekt untersucht die Transformation der Demokratie in Bolivien und Ecuador als Austrag komplexer Gerechtigkeitskonflikte. Die Forschungsfrage lautet: In welchem Ausmaß und auf welche Weise beeinflussen (begrenzen / forcieren) welche Typen von Gerechtigkeitsforderungen die Eskalation soziopolitischer Konflikte im Prozess der Transformation von Demokratie?
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