In diesem Buchprojekt wird der konfliktive Zweig des westlichen Universalismus einer Kritik unterzogen. Das Buch spürt Ausschließungsprozesse in der liberalen Theorie auf und zeigt, wie diese theoretischen Konstrukte Ausschließungspraktiken in der liberalen Politik rechtfertigen. Dies hat die doppelte Wirkung, konfrontative Handlungen gegen nicht-demokratische Gegenüber zu motivieren und zu legitimieren sowie Sicherheitsbefürchtungen auf beiden Seiten zu wecken. Die Konsequenzen sind erweiterter Interventionismus und ein wachsendes Sicherheitsdilemma. Damit steigt langfristig das Risiko gewaltsamer Konflikte. Die Kritik leitet über zu der These, dass trotz der Unhaltbarkeit eines liberalen a-priori-Anspruchs auf Universalisierung ein normativer Rahmen für globales Regieren auf diskursive Weise geschaffen werden kann, der Aussichten auf – empirische, nicht postulierte – universale Gültigkeit hat.
Die Studie erweitert das Sample liberaler Ideen, die einer kritischen Prüfung unterzogen werden, auf Demokratischen Frieden, Liga der Demokratien, Kosmopolitische Demokratie und Neokonservatismus und wendet die Methode der topischen Analyse auf Schlüsseltexte dieser vier Versionen liberalen politischen Denkens an. Topischer Analyse geht es um jeweils äquivalente argumentative Komplexe in diesen Texten. Eine vorläufige Analyse hat sieben Topoi identifiziert, die den Kern des exklusionären Zweiges im liberalen Denken zu repräsentieren scheinen. Der topische Vergleich will die Hypothese testen, dass es Ähnlichkeiten mit früheren missionarischen Ideen im Westen (Kreuzzüge, „zivilisatorische Mission“), aber auch mit dem Gegensatz zum liberalen Denken, islamistischer Militanz, gibt.