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Das Forschungsprogramm

Just Peace Governance

Im Jahr 2009 nahm die HSFK parallel zum Abschluss des bisherigen Forschungsprogramms „Antinomien des Demokratischen Friedens“ die Arbeit am Forschungsprogramm „Just Peace Governance“ auf. Unter diesem Titel wird die HSFK Spannungsverhältnisse zwischen den drei begrifflichen Konzepten zusammen bringen, die für die Friedens- und Konfliktforschung seit jeher von erheblicher theoretischer Bedeutung und praxeologischer Reichweite sind. Wie im Forschungsprogramm „Antinomien des Demokratischen Friedens“ geht es darum, die in und zwischen den Konzepten verborgenen Friktionen und Widersprüchlichkeiten aufzudecken und auf ihre Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen hin auszuleuchten. Ziel ist es herauszufinden, unter welchen Bedingungen implizite oder explizite Gerechtigkeitsvorstellungen von Akteuren zu gewaltsamen Konflikten führen, und unter welchen Bedingungen sie die Grundlage für nachhaltigen Frieden bilden können.    

 

Das Forschungsprogramm „Just Peace Governance“ konzentriert sich auf Gerechtigkeitskonflikte und die Frage, wie Frieden und Gerechtigkeit gleichermaßen verwirklicht werden können. Es geht von der Annahme aus, dass Frieden und Gerechtigkeit zwar gleichberechtigte politische Werte sind, die aber häufig in Konkurrenz und manchmal sogar in Konflikt geraten. Manche sagen etwa, Gerechtigkeitsansprüche müssten nach Bürgerkriegen begrenzt werden, damit durch Versöhnung dauerhafter Frieden möglich werde; andere behaupten, man müsse gelegentlich den Frieden brechen, um der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Wir verstehen Just Peace Governance als eine Form politischen Handelns, das durch Berücksichtigung von Gerechtigkeitsgesichtspunkten und die konstruktive Bearbeitung von Gerechtigkeitskonflikten dauerhaften Frieden schafft.
Um dies zu unterstützen, analysieren die Forschungsprojekte der vier Programmbereiche – jeweils unter ihrem speziellen Fokus – inwiefern Konflikte durch Gerechtigkeitsaspekte bestimmt sind und welche Formen von Governance für die friedliche Bearbeitung von Gerechtigkeitskonflikten geeignet sind. Dabei stehen drei Formen von Gerechtigkeitskonflikten im Zentrum: 1. Konflikte, die aus der globalen Machtverschiebung und dem Aufstieg „neuer Mächte“ entstehen, 2. Konflikte, die aus konkurrierenden Normen und Ideen resultieren, und 3. Konflikte, die bei der Entwicklung und Transformation von Governance-Institutionen entstehen.

 

Download

Just Peace Governance: Research Program of the Peace Research Institute Frankfurt, PRIF Working Papers, No.01, 2011, Frankfurt/M.

 

 

Programmatische Publikationen

Harald Müller, Justice and Peace: Good Things Do Not Always Go Together, PRIF Working Papers, No.06, 2010, Frankfurt/M. 

 

Harald Müller, Justice in International Diplomacy, PRIF Working Papers, No.08, 2011, Frankfurt/M.  

 

Lothar Brock, Gerechtigkeit und Frieden. Die Tücken einer tugendhaften Verbindung, HSFK-Standpunkte, Nr. 10/2010, Frankfurt/M.

 

Claudia Baumgart-Ochse, Niklas Schörnig, Simone Wisotzki, Jonas Wolff (Hg.), Auf dem Weg zu Just Peace Governance. Beiträge zum Auftakt des neuen Forschungsprogramms der HSFK, Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (Bd. 15), Baden-Baden (Nomos), 2011.