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Programmbereiche
Bedeutungen und Stellenwert von Gerechtigkeit und Frieden in Systemen gewaltbasierter sozialer Kontrolle

 

Die Spannung zwischen der Garantie gesellschaftlichen Friedens und Ordnung durch den Leviathan oder die gewaltförmige Selbsthilfe von Einzelnen oder gesellschaftlichen Gruppen ist ein konstituierender Bestandteil aller modernen Gesellschaften.

 

Folgt man der Ideologie moderner Staatlichkeit, so sollte gewaltförmige soziale Kontrolle allein dem Staat und staatlich legitimierten Akteuren zustehen. Die Wirklichkeit sagt uns aber, dass das selten der Fall ist. Gewalt, die darauf abzielt eine spezifische soziale Ordnung aufrecht zu erhalten, wird nicht selten auch von Gruppen ausgeübt, die das Recht für sich in Anspruch nehmen, Verhaltensnormen für ihre Gruppen oder die Gesamtgesellschaft zu definieren, ihre Befolgung zu überwachen und notfalls auch unter Einsatz von Gewalt zu erzwingen.

 

Im Projekt wollen wir eine Reihe solcher hybrider Systeme gewaltbasierter sozialer Kontrolle analysieren, um herauszufinden, wie diese Spannung zwischen Staat und sozialen Gruppen soziale Praktiken formen, wie sich solche Praktiken über Zeit wandeln und inwieweit solche hybriden Systeme funktionale Alternativen zum staatlichen Gewaltmonopol liefern können.

 

Die Legitimität spezifischer Praktiken (gewaltförmiger) sozialer Kontrolle hängt von ihrer Akzeptanz durch die Mitglieder der jeweiligen Gesellschaften ab und ist in unserer Sicht eine Funktion ihrer wahrgenommenen Gerechtigkeit und ihrer Effektivität in Bezug auf die Sicherstellung von innergesellschaftlichem Frieden. Das Viereck, das durch die vier Dimensionen von 1) Legitimität, 2) Gerechtigkeit, 3) sozialem Frieden sowie 4) Gewalt zum Zweck sozialer Kontrolle gebildet wird, bildet die grundlegende Matrix unserer Forschung zur normativen Dimension der Verwendung von Gewalt im Streben nach sozialer Kontrolle. Wir fragen jedoch nicht, was sein sollte, sondern was ist. D.h., wir sind an den empirisch aufweisbaren kulturell gerahmten Bedeutungen und dem Stellenwert dieser Dimensionen und ihrem Zusammenspiel in der Genese, Aufrechterhaltung und Transformation unterschiedlicher Ordnungen gewaltbasierter sozialen Kontrolle interessiert.

 

Das allgemeine Thema von Gerechtigkeit, Frieden und Legitimität in gewaltbasierten Systemen sozialer Kontrolle wird in einer Reihe von Projekten näher ausgeführt. Seit August 2009 läuft ein erstes Projekt zur „Genese, Struktur und Funktionsweise gewaltförmiger Systeme sozialer Kontrolle am Beispiel mehrerer Regionen in den Philippinen und Indonesien, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird.

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Mitarbeiter/innen:
Peter Kreuzer
Alexandra Landmann