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Programmbereiche
Antinomien demokratischer Rüstungskontrolle in den neunziger Jahren

Das Projekt „Antinomien demokratischer Rüstungskontrolle in den neunziger Jahren“ wendet die Annahmen der Theorie vom demokratischen Frieden auf die Rüstungskontrollpolitik an. Demzufolge sind Demokratien kriegsabgeneigt, kostenbewusst und kooperationsfreudig. Daraus leitet sich die Annahme ab, dass Rüstungskontrolle und Abrüstung in der Sicherheitspolitik der Demokratien einen prioritären Platz einnehmen müssten: Sie gelten als Instrumente der Kriegsvorbeugung, dienen der Reduzierung von Rüstungsausgaben und ergänzen Selbsthilfe durch kooperative, häufig institutionalisierte Sicherheitspolitik. In den neunziger Jahren lassen sich nun in der internationalen Rüstungskontrollpolitik Verhaltensweisen demokratischer Länder beobachten, die von dieser Annahme deutlich abweichen. Die Rüstungskontrollneigung der Demokratien war sehr unterschiedlich. Ausgehend von diesem vorläufigen Befund untersucht das Projekt im Detail die Varianz von Rüstungskontrollpolitik in zehn Demokratien auf zehn rüstungskontrollpolitischen Feldern und versucht, diese Varianz mit dem Ansatz „Antinomien des demokratischen Friedens“ zu erklären. Dieser Ansatz erkennt an, dass die in den Theorien demokratischen Friedens angegebenen Kausalitätsmechanismen zwar korrekt Attribute von Demokratien angeben, die angegebenen politischen „outcomes“ jedoch nicht zwingend, sondern lediglich kontingent aus ihnen hervorgehen. Die Antinomien machen alternative Entwicklungspfade deutlich; das Projekt interpretiert die „Anomalien“ im Lichte dieser alternativen Entwicklungspfade und versucht die Bedingungen festzustellen, unter denen diese Alternativen zum Tragen kommen. Die Erklärungskraft dieses Ansatzes wird mit der einer Alternativhypothese verglichen, die aus dem Neorealismus - als der nach wie vor dominierenden Theorie internationaler Beziehungen - abgeleitet wird: Demzufolge wären unterschiedliche Politiken Ergebnis der Varianz in den Machtpositionen der untersuchten Länder.

 

Im Rahmen des Projekts werden folgende Fallstudien bearbeitet:

  • Fallstudie zur Raketenabwehr (Bernd W. Kubbig)
  • Fallstudie zur amerikanischen Nuklearpolitik in den neunziger Jahren (Harald Müller, Annette Schaper)
  • Fallstudien zur konventionellen Rüstungskontrolle sowie zu vertrauensbildenden Maßnahmen in Deutschland und den USA (Hans-Joachim Schmidt)
  • Fallstudien zur Nuklaerwaffenpolitik Großbritanniens und Frankreichs (Simone Wisotzki)
  • Fallstudien zur Kleinwaffen- und Landminenpolitik Großbritanniens, Frankreichs, der USA und Deutschlands (Simone Wisotzki)
  • Die Abrüstungspolitik Österreichs und der Schweiz (Tabea Seidler - Dissertationsprojekt)
  • Die Rüstungskontrollpolitik Irlands und Kanadas (Una Becker - Dissertationsprojekt)

Das Projekt wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

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